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    Literatur

    Ich stoße mal einen zweiten Bücherthread an, ohne Beschränkung auf Krimis. D.h. wer Krimis vorstellen will, möchte bitte den Krimithread benutzen.

    Heute möchte ich diese wundervolle Komödie vorstellen:

    „Wir tun es für Geld“



    Quelle: www.Amazon.de

    Bei Amazon sind die Kritiken heterogen, ICH fand das Buch köstlich.

    Kurzbeschreibung:

    „Eigentlich ganz clever: Lukas heiratet zum Schein seine Mitbewohnerin Ines, damit sie Steuern sparen kann. Doch dann zieht unter ihnen ihr Finanzbeamter ein; Ekkehard Stöckelein-Grummler. Nun müssen Ines und Lukas richtig Ehe spielen - was nicht wirklich gut funktioniert. Und Ekkehard setzt sich auch noch in den Kopf, die »Beziehung« seiner neuen Freunde zu retten.“

    Ekkehard Stöckelein-Grummler ist übrigens ein HighEnd Freak der stereotypischsten Sorte, was mir einen Grinser nach dem anderen entlockt hat.

    Ein Buch zum Lachen … unbeschwert, munter, leichte Kost, die man gut verdaut. Von mir ne dicke Leseempfehlung, gerade für die Foristen, womöglich entdeckt der ein oder andere ein wenig Ekkehard in ihm ….

    #2
    Hallo Bruce,

    tolle Idee! Hier mein erster Beitrag:

    Jörg Mehrwald - "Bloß gut, dass es uns noch gibt" (Familie Lehmann und der 51. Geburtstag der DDR), Knaur 61818.

    Statt einer länglichen "Rezension" hier der Umschlagtext auf der Rückseite:

    Stell dir vor, es gibt sie noch, die gute alte DDR - leistungsstark, erfinderisch, nischenorientiert und auf Weltniveau wie eh und je. Unsere sympathischen Helden: Familie Lehmann. Sie bewältigt den real existierenden Alltag im fortgeschrittenen Sozialismus des Jahres 2000. Die zentrale Frage: Muss man eigentlich jeden Blödsinn aus dem Westen mitmachen? Die Antwort der Partei: "Ja, Genossen, aber anders." Die witzigste Alternative zur deutsch-deutschen Vereinigung.

    Trotz politischer Thematik kein "politisches Buch" wie man es üblicherweise kennt. Humorvoll, witzig bis hin zum Wegbrüllen. Man muß einfach gelesen haben, wie die kleinen Alltagsprobleme zu dialektischen Seifenblasen geraten; z.B. die Elektrogeräte, alle stammen aus kubanischer Produktion, wie der Toaster "Fidelcross"... Köstlich die "naturstofffreien Lebensmittel aus dem chemischen Kombinat Schwedt", der "Quedlinburger"... Und die ganzen Verwicklungen, wie die von der Stasi arrangierten Autobahnstaus, die industriestaatliches Weltniveau signalisieren sollen...

    Mich persönlich stört nur die "neue Falschschreibung"; Bücher kaufe ich aus diesem Grunde sonst nur antiquarisch, um sowas nicht dauernd vor den Augen zu haben. Aber hier kann man's übersehen - die Handlung ist einfach zu schön...

    Gruß: Winfried

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      #3
      Hallo Winfried!

      Danke für den Tipp! Morgen geh´ ich´s kaufen! rost:

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        #4
        Hallo,

        noch'n Tip, ein "Altklassiker", aber immer wieder schön zu lesen:

        Heinrich Böll: "Ende einer Dienstfahrt", Kiepenheuer & Witsch

        Im Amtsgericht zu Birglar findet ein ungewöhnlicher Prozeß unter Vorsitz des alten Richters Stollfuss statt. Tischlermeister Gruhl und sein Sohn sind angeklagt, einen Jeep der Bundeswehr mutwillig und in niederer Absicht verbrannt zu haben. Im Verlaufe des Prozesses wird deutlich, daß die beiden Angeklagten mit dieser Aktion ein Kunstwerk im Rahmen eines Happenings schaffen wollten; dies wird durch Gutachter bestätigt.
        Faszinierend, wie Heinrich Böll juristische Belange und deren Behandlung durch Richter, Staatsanwalt, Zeugen und Gutachter exakt ausformuliert, bis in scheinbar winzigste Details eine Szenerie aufbaut, die den Leser dabeisein läßt, wie er mit der Sprache spielt und ganz nebenbei Spitzfindigkeiten beleuchtet:
        Gruhl: "... während des Krieges in Frankreich..."
        Staatsanwalt Dr. Kugl-Egger: "Sie meinten den Frankreich-Feldzug?"
        Gruhl: "Ich meinte den Krieg."
        Böll zum Weltmeister des Konjunktivs zu küren, scheint nach der Lektüre gerechtfertigt: Irgendwo im Buch findet sich eine mehr als zweiseitige Passage ausschließlich in konjunktiviertem Satzbau. Trotz grammatischer und syntaktischer Spitzenleistungen leicht zu lesen; wir haben es hier mit echter Literatur zu tun. Weitere Beispiele:
        "Sie ist eine übersinnliche Person, allerdings nicht im Sinne von metasinnlich..."
        Zum zeitweiligen Leerlauf bei der Bundeswehr: "Warum Gruhl (der junge ist gemeint) so darunter gelitten hat, bleibt unverständlich, weil Nichts plus Nichts immer wieder Nichts ergibt..."
        "Staatsanwalt Kugl-Egger, der den zungenschweren Dialekt der Landschaft weder verstand noch mochte..."
        (Textbeispiele sinngemäß aus dem Gedächtnis wiedergegeben!)

        Die Handlung spielt zweifelsfrei im Landkreis Köln; Böll zeichnet perfekt die Wesensart der Menschen: Gern ein bißchen hintenherum-kungelnd, gemütlich, spitzzüngig, wenn's darum geht, andere durchzuhecheln. Die frei erfundenen Ortsnamen lassen sich bei Kenntnis der Gegend ohne weiteres zuordnen. Apropos Namen: Heinrich Böll konstruierte häufig solche, die zum Kopfschütteln reizen, wie etwa "Humkoke", "Pater Willibrord", "Professor Bur-Malottke" und so weiter. Was er damit bezweckte, bleibt wohl das Geheimnis des Literatur-Nobelpreisträgers, der, zu seiner Arbeit befragt, mit kölschem Anklang sagte: "Ich schreibe gern Romänchen." In "Ende einer Dienstfahrt" hat er seine Neigung zu "klemmenden" Namen außen vor gelassen, die lesen sich allesamt so, als wären es reale Personen im realen Kölner Landkreis.

        Ein Buch, das trotz seines thematischen Umfeldes absolut kein Krimi ist! Dicke Empfehlung!.

        Gruß: Winfried

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          #5
          Hallo,

          hier nun etwas ganz anderes ... Geschichten, die das Leben schrieb, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Autor, 1920 in Andernach geboren, kam mit seinen Eltern im Alter von zwei Jahren in die USA. Dort durchlebte er von der Jugend bis zu seinen reiferen Jahren Zeiten, die ihn nachhaltig prägten. In Kreisen verkehrend, die nicht gerade zur höheren Gesellschaft zählten, schlug er sich als Gelegenheitsarbeiter, Penner und Glücksspieler (Pferdewetten) durch.
          Er war in den Dreißigern, als er eine feste Anstellung bei der US-Mail (Post) erhielt, als Briefzusteller, und sich dort mit schier unmöglichen Arbeitsbedingungen und schwierigen Vorgesetzten konfrontiert sah. Nach rund drei Jahren kündigte er, machte weitere Schlingerkurse in unterschiedlichsten Jobs durch - vom Angestellten in einer Kunsthandlung bis zum Mitarbeiter eines Luxushotels -, doch hielt er sich nirgends lange, da seine Vorliebe für Whisky häufig Probleme brachte. Schließlich ging er wieder zur Post, in den Innendienst, wo er langsam aber sicher kirre wurde. Etwa zehn Jahre, dann kündigte er den Job, um sich als Schriftsteller durchzuschlagen; zwischenzeitlich nämlich hatte er diverse Veröffentlichungen zuwege gebracht: in Underground-Blättern, Kolumnen in Stadtteilzeitungen (wie wir es nenen würden) und sogar bei der führenden Literaturzeitschrift Amerikas.
          Zäh und langsam ging’s bergauf, seine ebenso ungewöhnliche wie mitreißende Schreibe fand zunehmend Anklang. Er schrieb, wie der nicht gerade vornehme Mann redet, ließ den Jargon der Gosse einfließen; die Idiomatik des Penners findet sich ebenso wie tief nachdenkliche Formulierungen, welche beweisen, daß er - und dies ist in der Gesamtheit seines Werkes zu sehen - ein wirklich großer Schriftsteller war. Das wurde in den USA schließlich erkannt und man verlieh ihm den Pulitzer-Preis, bescheinigte ihm damit die perfekte Faktenschilderung, Genauigkeit der sachbezogenen Aussagen und vieles mehr. Er starb 1994, erreichte also leider nicht sein Ziel, 80 Jahre alt zu werden.
          Als ich damals von seinem Tode hörte, war ich ehrlich betroffen: Er lebte nicht mehr ... Charles Bukowski, der sich in seinen Storys und Romanen meistens Henry Chinaski nannte.

          Den Stil des Charles Bukowski hatte eine seiner zahlreichen Liebschaften mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht: „Was Sie schreiben, ist so roh und direkt. Wie ein Schlag mit dem Hammer, und doch steckt so viel Humor und Zärtlichkeit dahinter.“

          Die meisten seiner Texte wurden von Carl Weissner übersetzt - in wahrhaft kongenialer Form! Ein amerikanischer Muttersprachler, der perfekt Deutsch konnte, erklärte mir dazu, man könne Weissners Übersetzung nahtlos ins Amerikanische zurückübersetzen, ohne irgendwelche Änderungen bzw. „Klimmzüge“ vornehmen zu müssen.

          Es gab anfangs der achtziger Jahre bei 2001-Versand einen Bukowski-Sammelband mit Storys und Kurzgeschichten, der folgende Werke enthält:

          Das ausbruchsichere Paradies
          Faktotum
          Der Mann mit der Ledertasche (dort findet Ihr die Post-Erlebnisse)
          Anmerkungen eines Dirty Old Man.
          (Heute bestimmt auch separat erhältlich)

          Weitere Texte erschienen im Fischer-Verlag:
          Kaputt in Hollywood
          Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel
          Fuck Machine
          Aufzeichnungen eines Außenseiters.

          Bei dtv erschien unter der Nummer 11049:
          Das Liebesleben der Hyäne
          und unter Nr. 10538:
          Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend

          Sein letztes Buch, das ein wenig psychedelisch wirkt, editierte 1995 posthum Kiepenheuer & Witsch:
          Ausgeträumt (ISBN 3-462-02402-7)

          Man weiß, was einen zwischen den Buchdeckeln erwartet, wenn man Bukowski liest. Sicher, das Wort mit F am Anfang kommt nicht gerade selten vor, doch bringt er seine Storys stets so rüber, daß sie trotz allem keinesfalls pornographisch sind! Bukowski schrieb, wie ihm der Schnabel gewachsen war; ich mag „Buk“ einfach - und es sollte nicht vergessen werden: Den Pulitzer-Preis erhält man nicht „einfach so“...

          Gruß: Winfried
          Zuletzt geändert von Winfried Dunkel; 16.04.2011, 17:53.

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            #6
            Schöner thread. Möchte hier auch einen Buchtip beitragen und zwar John Steinbeck: "Die Reise mit Charley".



            Rosinante ist bepackt, Charley an Bord und dann geht John Steinbeck, natürlich inkognito, auf eine Reise. Er jagt keinen Windmühlen nach, sondern erkundet die USA neu. Denn, wie er selber sagt, wie soll er über die Menschen in den USA schreiben, wenn er das letzte Mal vor über 20 Jahren durch das Land gereist ist. Mit an Bord ist Hund Charley, der die Reise vergnüglich begleitet, aber in gewissem Sinne auch für Dramen sorgt. Am wichtigsten natürlich Rosinante – fahrbarer Untersatz und Heimstätte für mehrere Monate für die beiden.Steinbecks Sprache und sein subtiler Humor, insbesondere wenn er über Charley schreibt, machen den Bericht zu einer interessanten Reise, die erst in zweiter Linie durch die USA und in erster Linie zu Steinbeck führt, der acht Jahre vor seinem Tod diese Tour unternimmt. Immer wieder bekommt man Innenansichten des Steinbeck´schen Universums.
            Doch auch die kritische Auseinandersetzung mit seinen Landsleuten bleibt nicht aus. Insbesondere wenn es um Engstirnigkeiten und Ungerechtigkeit geht merkt man dem Autoren an, wie wichtig ihm Offenheit und ein friedvolles Miteinander sind. Deutlich zum Vorschein kommt dies als er Zeuge wird, mit welchen Protesten die Zusammenlegung einer Schule für Schwarze und Weiße begleitet wird.
            Die schönsten Momente sind die, in denen er sich in Rosinante einen Scotch einschenkt und argwöhnisch beäugt von Pudel Charley sich seinen Gedanken hingibt. Eine stimmungsvolle Schilderung einer Reise, die Steinbeck trotz zwei vorhergegangener Schlaganfälle durchgeführt hat.
            Sein Sohn hat mal gesagt, dass sein Vater die Reise unternommen hat, weil er ahnte, dass er bald sterben würde. Selbst wenn dies stimmt, konnte er sich nicht besser verabschieden als mit diesem Reisebericht.
            http://www.lovelybooks.de/autor/John...a-143844370-w/



            Steinbecks Gefährt „Rosinante“, ausgestellt im National Steinbeck Center, Salinas





            Ich hab das Buch damals in Englisch gelesen und hab es noch heute als wunderbar lesbar in guter Erinnerung. :daumen:

            Gruß
            Franz

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              #7
              Zitat von Winfried Dunkel Beitrag anzeigen
              Hallo,

              Man weiß, was einen zwischen den Buchdeckeln erwartet, wenn man Bukowski liest. Sicher, das Wort mit F am Anfang kommt nicht gerade selten vor, doch bringt er seine Storys stets so rüber, daß sie trotz allem keinesfalls pornographisch sind! Bukowski schrieb, wie ihm der Schnabel gewachsen war; ich mag „Buk“ einfach - und es sollte nicht vergessen werden: Den Pulitzer-Preis erhält man nicht „einfach so“...

              Gruß: Winfried
              Kenne nur: Der Mann mit der Ledertasche
              rost:

              ... Prosa und die Verwendung des F-Wortes bringt auch Henry Miller gut zusammen. Ich finde Bukowski leichter zugänglich als den Henry Miller, auch wenn der nicht unbedingt schwierig zu verstehen ist. Man muss beim lesen, gallopiert man zu schnell über die Worte halt verstehen, daß man auch auf die Schnauze fallen kann und sich dann am Ende an nichts mehr erinnert.
              Bukowski nimmt den Leser doch auch an der Hand, oder wartet geduldig, bis der bereit ist mit zu kommen. Auch wenn's im Suff ist und man im Puff landet.
              Henry Miller breitet gerne seine Gedanken aus und verwandelt diese Betrachtungen in viele Worte. Da muss man dann schonmal längere Zeit innehalten ohne einen Schritt zu machen. Aber, das funktioniert im sitzen im Grunde ganz gut. Ich blättere dann aber auch schon mal zurück, weil ich den Anschluss verpasst hatte.

              .
              .
              Gruß Ingo . . . . . . . . . . . . . meine letzten gestreamten Tracks

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                #8
                Hallo Ingo,

                ja, der Henry Miller ist mir stellenweise auch zu langatmig, erinnert mich z.T. dabei an Truman Capote und/oder Thomas Wolfe. Da hat Bukowski eine ganz andere Schreibe - direkt auf den Punkt; allerdings kann er auch anders. Seine "philosophische" Definition der Liebe möchte ich an dieser Stelle nicht zitieren, könnte zum Eingreifen der Moderation führen...
                Wenn Du "Der Mann mit der Ledertasche" (leider nicht von Weissner übersetzt) gelesen hast, ist "Faktotum" eigentlich Pflicht. Buk beschreibt hier seine diversen Jobs und was er dabei erlebte. Hat was!

                Gruß: Winfried

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                  #9
                  Zitat von Winfried Dunkel Beitrag anzeigen
                  Hallo Ingo ... Wenn Du "Der Mann mit der Ledertasche" (leider nicht von Weissner übersetzt) gelesen hast, ist "Faktotum" eigentlich Pflicht. Buk beschreibt hier seine diversen Jobs und was er dabei erlebte. Hat was! Gruß: Winfried
                  Danke dem Tipp.

                  .
                  Gruß Ingo . . . . . . . . . . . . . meine letzten gestreamten Tracks

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                    #10
                    Hallo,

                    im Verlaufe weiterer Buchtips wird auffallen, daß deutsche Literatur nicht so mein Thema ist (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Nordamerikanische Autoren geben mir mehr, deren Schreibe ist auf schwer darstellbare Art lebendiger, lebensnäher, kraftvoller. Natürlich hängt es auch vom Übersetzer ab, wie er den Text ins Deutsche rüberbringt. Egal, im Laufe der Zeit werde ich noch einige bemerkenswerte Bücher vorstellen - nicht nur aus den o.g. Gefilden, sondern auch andere "außerdeutsche" Werke.

                    Inspiriert durch Franz' Vorstellung von John Steinbecks "Meine Reise mit Charly", hier ein weiteres Buch des Literatur-Nobelpreisträgers:

                    Straße der Ölsardinen

                    Ein Kaleidoskop von Geschichtchen und Vorfällen, die in oder rund um Monterrey (kalifornische Küstenstadt) geschehen. Schillernde Typen wie Mack, der "Anführer" einer Gruppe von Streunern, die sorglos in den Tag hinein leben; Doc, der selbständige Meeresbiologe, ständig am Bankrott entlanglavierend; Lee Chong, der Gemischtwarenhändler, bei dem es vom Bootszubehör bis hin zu Lebensmitteln praktisch alles gibt, auch den Spitzen-Whisky "Old Tennisschuh" - "Das einzige, was es bei Lee Chong nicht gab, gab es gegenüber bei Dora..." (im Bordell "Flotte Flagge"). Die Story kulminiert in der "großen Froschjagd" - doch ich will nicht zu viel verraten, sondern nur eine dicke Empfehlung für dieses humorvolle Buch aussprechen.
                    Typisch für Steinbecks Werke sind die Intertexte: Auf den ersten Blick haben diese Einschubkapitel nichts mit der Haupthandlung zu tun, doch betrachtet man sie genauer, wird die Parabelbildung deutlich. In "Straße der Ölsardinen", so mein Eindruck, hat der Autor diese Technik ausprobiert und sie schließlich in "Früchte des Zorns" und "Jenseits von Eden" zur Perfektion gebracht. Aber darüber später mehr.

                    Gruß: Winfried

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                      #11
                      Hey, ja,

                      den Thread habe ich auch vermisst!

                      Ich bin immer noch begeistert von Roald Dahl, "Küßchen, Küßchen", "Noch ein Küßchen" oder "Kuschelmuschel"... lauter Kurzgeschichten mit überraschendem Ende...


                      Über "Küßchen, Küßchen"
                      Roald Dahl wurde mit seiner ersten Sammlung makabrer Musenküsse weltberühmt als ein Meister des schwarzen Humors. Diese Folge lustvoller Gruselgeschichten enthält ein gesteigertes Quantum der begehrten Lesedroge. Vierzehn Ampullen werden Dahl-Süchtige in heiterste Stimmung versetzen, Novizen zu Hörigen machen.
                      Über "Kuschelmuschel":
                      Wenn Onkel Oswald Skorpione, Spazierstöcke und schöne Mädchen sammelt, ein Duftwasser mit betörender Wunderwirkung mischen lässt oder ein leidenschaftlicher Vorort-Casanova ein neuartiges System des Partnertausches ersinnt: "Stets stellen sich beim Lesen die angenehmsten Schauder ein." (Stern)
                      Grüßle von der Audiohexe

                      sigpic


                      Und nun verstand ich es, das Geheimnis der Musik, ich verstand, warum sie allen anderen Künsten so turmhoch überlegen ist: Es ist ihre Körperlosigkeit.
                      Wenn sie sich einmal von ihrem Instrument gelöst hat, dann gehört sie wieder ganz sich selbst, ist ein eigenständiges freies Geschöpf aus Schall, schwerelos, körperlos, vollkommen rein und in völligem Einklang mit dem Universum.
                      (von Walter Moers)

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                        #12
                        Hallo,

                        bevor ich Ediths Tips um entsprechende ergänze, möchte ich kurz die wichtigsten Werke von John Steinbeck komplettieren:

                        Früchte des Zorns

                        Dreißiger Jahre in Oklahoma - die Banken haben zahlreichen Farmern die Existenz genommen und auf deren ehemaligem Grund und Boden riesige Baumwollplantagen angelegt. Baumwolle, so der Autor, der selbst eine Farm besaß, laugt das Land aus, macht es ungeeignet für weitere Nutzung; die Erde verwandelte sich in Staub, der das Leben dort praktisch unmöglich werden ließ. Folglich setzte ein Run auf alte Autos ein; die finanzschwachen Farmerfamilien wollten nach Kalifornien, weil - das suggerierten großzahlig verteilte Handzettel - dort hohe Löhne gezahlt werden sollten.
                        Die Helden des Buches, Familie Joad, bestehend aus Großeltern, Mutter, Vater, den erwachsenen Söhnen Tom (gerade aus der Haft entlassen), Noah und Al, den zehn- und zwöljährigen Kindern Winfield und Ruthie, der schwangeren Tochter Rosasharn und ihrem neunzehnjährigen Ehemann Conny sowie dem abgehalfterten Prediger Casey, fahren in einem notdürftig zum Lastwagen umgebauten alten "Hudson Super Six" gen Kalifornien, auf der Route 66. Die Reise, in deren Verlauf die Großeltern sterben und viele Widernisse die Familie auf harte Proben stellen, macht den größten Teil des Buches aus. In Kalifornien angekommen, stellen die Joads fest, daß es kaum Arbeit gibt (dieser Umstand wurde ihnen zwar bereits auf der endlosen Tour klar, doch sie sehen keine andere Möglichkeit, als weiterzufahren). Immer wieder glimmt trügrische Hoffnung auf, scheint auf guten Ausgang hinzudeuten. Doch es gibt keine Hoffnung, keine regelmäßige Arbeit, die ein anständiges Leben sicherte. Und wenn's Arbeit gibt, dann für schändlich wenig Geld. Beispielweise im Akkord Pfirsische pflücken - die Tonne für einen Dollar ... und ein Kilo Rindfleisch kostete 40 Cent...
                        Tom Joad gerät zwischen die Fronten von (zu recht) streikenden Arbeitern und der privaten Miliz der Großgrundbesitzer, wird verletzt und kann der Familie nicht mehr helfen. Dennoch geht es irgendwie weiter; die Joads vegetieren in Camps, in Schmutz und Elend, doch sie schaffen es schließlich, vergleichsweise gut bezahlte Jobs als Baumwollpflücker zu finden - natürlich zeitlich befristet...

                        Das in den dreißiger Jahren in den USA zu beobachtende Phänomen der "Wanderarbeiter" ist Dreh- und Angelpunkt des Buches; John Steinbeck hat Umstände und gesellschaftspolitische Zusammenhänge mit unnachahmlicher Meisterschaft geschildert. Meiner Meinung nach übertrifft er in der Dichte der Erzählung sogar Knut Hamsun, der in "Vagabundentage" die selbe Gesellschafts-Unterschicht thematisiert.

                        Früchte des Zorns ist ein tief in die Psyche packendes Buch, wenngleich es in weiten Passagen scheinbar leichte Unterhaltung bietet. Steinbecks Credo lautete: "Alles was lebt ist heilig", und er schrieb wörtlich: "Vater unser, der Du bist in der Natur." Soviel zum Autor.
                        Auch in diesem Buch verwendet er die Technik der Intertexte, Einschübe, die die Handlung unterstreichen, teils beim Leser "Früchte des Zorns" erzeugen, wenn da steht: "... und Kinder müssen Hungers sterben, weil die Orange ihren Profit nicht verlieren darf..."
                        Steinbeck klagt den gnadenlosen, über Leichen gehenden Kapitalismus an - und ist damit heute aktueller denn je.

                        Gruß: Winfried
                        Zuletzt geändert von Winfried Dunkel; 19.04.2011, 09:41.

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                          #13
                          Um John Steinbeck abzurunden - das ist auch einer meiner Lieblingsschriftsteller - möchte ich hier noch eine Kurzgeschichte von ihm vorstellen:



                          John Steinbeck:
                          Die Perle

                          Inhaltsangabe

                          John Steinbecks 1945 verfasster Roman »Die Perle« gründet sich auf eine alte mexikanische Sage. Die Hauptfigur Keno, ein armer Eingeborener, glaubt sich durch den Fund einer wertvollen Perle am Beginn eines neuen Lebens, muss jedoch erfahren, dass er seinem Schicksal nicht nur nicht entkommen kann, sondern dass es ihn für seine Auflehnung hart bestraft.
                          Der mexikanische Perlenfischer Keno lebt mit seiner Frau Juana und dem Sohn Coyotito in einer armseligen Holzhütte in einer Eingeborenensiedlung am Rande einer kleinen Stadt am Golf von Kalifornien. Sein wesentlicher Besitz ist ein seit Generationen weitervererbtes Boot, das der Familie die Nahrung und damit das Überleben sichert. Von seinen Vorfahren überlieferte Melodien erklingen in seinem Innern, und die Melodie der Familie ist ihm die liebste, weil sie ihn still und zufrieden leben lässt.
                          Eines Morgens wird der Säugling von einem Skorpion gestochen, und sein Leben ist in Gefahr. Der habgierige und grausame Arzt in der Stadt verweigert die Behandlung, weil Keno ihn nicht bezahlen kann, jedoch gelingt es der heilkundigen Mutter den Sohn zu retten. Unter dem Eindruck der neuerlichen Demütigung durch einen Weißen fährt Keno mit Juana hinaus aufs Meer und findet eine Auster, die eine Perle birgt, die wegen ihrer Größe und Schönheit über jeden Vergleich erhaben ist. Stolz zeigt er seinen Fund den anderen Fischern, und schon verbreitet sich die Nachricht von seinem plötzlichen Reichtum in der ganzen Stadt. Unruhe greift um sich, weil Nachbarn, Geschäftsleute, Bettler, der Priester ebenso wie der Arzt hoffen, vom Fund der Perle zu profitieren.
                          Keno lässt in Gedanken sein altes Leben hinter sich und macht Pläne für die Zukunft: Er will Juana in einer Kirche heiraten, wünscht sich neue Kleider für die Familie, den Schulbesuch seines Sohnes und schließlich ein Gewehr. Gleichzeitig spürt er, wie sich das Verhalten seiner Mitmenschen zu ihm verändert, und die Melodie des Bösen in seinem Innern ertönt. Schon in der Nacht versucht ein Eindringling die Perle aus der Hütte zu stehlen. Keno vertreibt ihn, wird dabei aber verletzt, und Juana beginnt sich zu ängstigen. Am nächsten Tag legt das Paar seine Sonntagskleider an und zieht in die nahe Stadt, um die Perle zu verkaufen. Ein Zug von Nachbarn, Neugierigen und Bettlern folgt ihnen, denn alle spüren, dass hier etwas geschieht, das in die Geschichte des Volkes eingehen wird.
                          Die Perlenhändler, die nur scheinbar Konkurrenten, tatsächlich aber Angestellte eines einzigen Händlers sind, bieten Keno entsprechend ihren Anweisungen einen lächerlich niedrigen Preis für die kostbare Perle und versuchen seinen Fund als unverkäufliche Kuriosität abzuwerten. Wütend und stolz nimmt Keno die Perle wieder an sich und fasst den Entschluss, sie in der weit entfernten Hauptstadt zu verkaufen.
                          Auch in dieser Nacht versucht jemand die Perle zu stehlen. Die Melodie des Bösen mischt sich mit der Melodie des Feindes. Keno wird abermals verletzt, und Juana bittet ihn eindringlich, die Perle zu zermalmen oder zurück ins Meer zu werfen, um das drohende Unheil abzuwenden. Als Keno sich entschieden weigert, schleicht Juana sich leise fort, um die Perle im Meer verschwinden zu lassen. Doch Keno folgt ihr und hindert sie daran. In seinem Zorn über ihr Handeln schlägt er seine sanfte und geliebte Frau zu Boden. Auf dem Rückweg zum Haus wird er erneut von einem Unbekannten angegriffen und tötet ihn im Kampf. Entsetzt beschließt das Paar übers Meer zu fliehen. Doch Keno findet sein schönes Boot zerstört. Als er sich schwer getroffen wieder seinem Haus zuwendet, steht dieses in Flammen.
                          Kenos Bruder versteckt die kleine Familie einen Tag lang in seinem Haus, und in der Nacht fliehen Keno und Juana mit ihrem Sohn auf dem Landweg Richtung Norden, wobei sie sich bemühen, ihre Spuren sorgfältig zu verwischen. Doch als sie sich erschöpft ein Ruhelager einrichten, entdeckt Keno, dass zwei Fährtensucher und ein dritter Mann, zu Pferd und mit einem Gewehr bewaffnet, sie verfolgen. Sie flüchten in die Berge, doch es gelingt ihnen nicht, ihre Verfolger abzuschütteln. Keno versteckt Frau und Kind in einer Höhle und entschließt sich mit dem Mut der Verzweiflung, die Männer anzugreifen. Während er sich anschleicht, ertönt Coyotitos Weinen in der Nacht, und der wachhabende Mann feuert einen Schuss in Richtung der Höhle, der Coyotito tötet. Außer sich vor Wut und unerbittlich wie eine Maschine tötet Keno nacheinander alle drei Männer.
                          Erstarrt in Trauer und Schmerz machen sich Keno und Juana mit der Leiche ihres Kindes zurück auf den Weg in ihre Siedlung. Die Menschen am Weg fürchten sich vor dem Grauen, das in ihrer Haltung und in ihren Gesichtern geschrieben steht. Blicklos gehen sie an der Stelle vorbei, an der einst ihr Haus stand, wenden sich zum Meer, ohne ihr zerstörtes Kanu zu beachten, und dann schleudert Keno die Perle mit aller Kraft zurück ins Meer.
                          Der Literaturnobelpreisträger John Steinbeck hat den Sagenstoff spannend in die Gegenwart übertragen, und bringt den Lesern damit ein Stück des alten mexikanischen Volksglaubens nahe. Keno hat versucht, sich gegen uralte Gesetze und gegen die Worte des Priesters aufzulehnen, nach denen jedem Menschen ein bestimmter Platz auf der Welt zugewiesen ist, an dem er ausharren muss, und den er nicht verlassen darf. Er war entschlossen, für sein Lebensglück und für die hoffnungsvolle Zukunft seines Sohnes zu kämpfen, wurde jedoch erbarmungslos an seinen Platz zurückverwiesen.


                          Quelle: Die Perle - John Steinbeck - Inhaltsangabe
                          http://www.inhaltsangabe.de/steinbeck/die-perle/




                          Ein Meisterwerk.:teach:

                          Gruß
                          Franz

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                            #14
                            Hallo Franz,

                            "The Pearl" makes pearls in the eyes...
                            Grüßle von der Audiohexe

                            sigpic


                            Und nun verstand ich es, das Geheimnis der Musik, ich verstand, warum sie allen anderen Künsten so turmhoch überlegen ist: Es ist ihre Körperlosigkeit.
                            Wenn sie sich einmal von ihrem Instrument gelöst hat, dann gehört sie wieder ganz sich selbst, ist ein eigenständiges freies Geschöpf aus Schall, schwerelos, körperlos, vollkommen rein und in völligem Einklang mit dem Universum.
                            (von Walter Moers)

                            Kommentar


                              #15
                              Hallo,

                              hier nun endlich die Fortsetzung zu den Werken von John Steinbeck:

                              Jenseits von Eden
                              (Übersetzung ins Deutsche: Harry Kahn)

                              Dieses (in der mir vorliegenden Ausgabe) 668 Seiten umfassende Buch entzieht sich eigentlich jedem Darstellungsversuch. In der Widmung schreibt Steinbeck: "... Ungefähr alles, was ich habe, ist darin und es ist nicht voll. Leid und Aufschwung sind darin, gute Stimmungen und schlechte Stimmungen, böse Gedanken und gute Gedanken, die Lust des Planens und etwas Verzweiflung und die unbeschreibliche Freude des Schaffens ..."
                              "Jenseits von Eden" (englischer Originaltitel: "East of Eden") erweist sich als kaum faßbares Kompendium menschlicher Schicksale und Verhaltensweisen; auch das Leben des Autors selbst ist hineinverwoben. Tiefste, düsterste psychologische Abgründe kontrastieren mit menschlicher Größe; mehrere ineinander verflochtene Handlungsstränge erfordern aufmerksames Lesen. Hochdramatische Textteile umgreifen Alltägliches, doch stets lebt man diese zuweilen äußerst ungewöhnlichen, sich unserer hiesigen Mentalität teils entziehenden Geschichten mit.
                              Die Erzählgewalt Steinbecks erzeugt passagenweise eine Gänsehaut, bringt den Leser aber auch hier und da zum Schmunzeln, wenn er - integriert in Dramatisches - beispielsweise detailliert schildert, wie in den zwanziger Jahren ein Auto angelassen wurde: Das war eine ziemliche Aktion, wie Umschalten von Batterie- auf Magnetzündung, richtiges Einstellen von Früh- bzw. Spätzündung etc. Derlei scheinbare Nebensächlichkeiten sind es, die den Leser - wie gesagt - in die Geschichte hineinziehen, ihn derart involvieren, daß dieses Buch stark emotionalisiert, passagenweise Angst ob seiner erzählerischen Dichte erzeugt.
                              Wie eingangs angemerkt, entzieht sich dieses Werk einer inhaltsbeschreibenden "Rezension". Es ist auch keines, das man "einfach so" liest: "Jenseits von Eden" stellt Anforderungen, die sukzessive über den Leser hereinbrechen, nachdem der erste Satz mit seiner Lakonie anderes vermuten läßt: "Das Salinas Valley liegt in Nordkalifornien." Seiner tiefen Liebe zu seinem Land (gemeint ist nicht die politische Konstruktion der USA, sondern Grund und Boden) gibt Steinbeck mit perfekter Stilistik Ausdruck, nimmt den Leser quasi an die Hand, führt ihn in und durch die Geschichte - und schlußendlich so aus ihr heraus, daß eine Mischung aus Verwirrung und Trauer entsteht, Trauer, weil das Buch zu Ende ist... Wiederlesen allerdings erfordert Entschlußkraft, weiß man doch, was einen alles erwartet - und zwar jene Fülle von Ereignissen und Beschreibungen, die "Jenseits von Eden" zu dem machen, was es ist: Ein gewaltiges, meisterhaftes Epos!

                              Gruß: Winfried
                              Zuletzt geändert von Winfried Dunkel; 22.04.2011, 10:47.

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