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Alt 05.02.2018, 18:41
MitHoerer MitHoerer ist gerade online
 
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Zitat von HearTheTruth Beitrag anzeigen
Hallo Franz

Das scheint in die ähnliche Richtung zu gehen wie beim
Smith Realizer mit dem man die jeweiligen Frequenzen
ebenfalls in alle Himmelsrichtungen verdrehen konnte.
Wer an sowas Spaß hat kann sich damit richtig Austoben.
LG
Rolli
Mimi App und Smyth Realiser verfolgen derzeit zwei verschiedene Ziele und das mit unterschiedlichen Vorgehensweisen. Ideal wäre eine Kombination beider.

## Ziele:
Mimi: Ausgleich von vermindertem Hörvermögen
Realiser: Wiedergabe von LS/Mehrkanal Audio über KH

## Vorgehensweisen:
Mimi:
Wie beim Ohrenarzt ermittelt man zunächst per App wie gut man welche Frequenzen auf welchem Ohr hört. Sozusagen die "Personal Frequence Response". Diese wird dann beim Musikabspielen wie ein EQ über das Original gelegt. Da kein KH wirklich neutral ist, müssen diese Abweichungen ebenfalls in den EQ Werten berücksichtigt werden. Zitat: "Die Mimi App ist derzeit für Apple EarPods, Sennheiser HDA-200 & 300 und Teufel MUTE BT & MOVE PRO kalibriert. Die Genauigkeit deiner Testergebnisse hängt von den benutzten Kopfhörern sowie von der Umgebungslautstärke ab."
Das angestrebte Ergebnis ist dabei sozusagen "Hifi im Hirn" und nicht nur bis zum Ohr…


Realiser:
Über Mini-Mess-Micros in den Gehörgängen werden die Testsignale, die der Realiser über eine LS-Anlage abgibt aufgezeichnet und das Delta zum Ausgangssignal analysiert. Das Delta setzt sich dabei zusammen aus Abweichungen/Veränderungen durch Anlagen + Boxen + Raum + Eigener Körper (Kopf/Ohrenform/etc). Es werden nicht nur Frequenz Response Veränderungen wie bei Mimi ermittelt, sondern auch deren zeitlicher Verlauf (z.b. Nachhall). Im zweiten Schritt bekommt man die Testsignale über KH zugespielt, immer noch mit den Mini-Micros in den Ohren. Auch hier wird das Delta zwischen Original und Messdaten analysiert und damit der KH linearisiert.
Das angestrebte Ergebnis ist die möglichst exakte Reproduktion des Ausgangshörraumes, die allerdings genau an dem Punkt erreicht wird, an der das Micro saß, also am Anfang des Gehörganges und nicht "im Hirn".

Es gibt hier allerdings auch Gurus, die die Messmikros so tief reinbekommen, dass sie damit auch In-Ear's messen können ;-) Ggf. kann der Realiser in diesem Falle auch noch mehr ausgleichen.

Wie dem auch sei, das Ergebnis des Realiser kann sich hören lassen. Wer natürliche Räumlichkeit bei KH mag, sollte sich den Realiser mal anhören. Denn die Räumlichkeit wird hier nicht künstlich erfunden, sondern gemessen. Bereits mit den aktuellen Mehrkanal Formaten von Dolby und DTS hört es sich gut an. Neue Formate wie Dolby ATMOS oder DTS:X arbeiten mit virtuellen im Raum positionierten Klangobjekten(z.b. ein Instrument), die auf das jeweilige Ausgabemedium (z.b. für KH) umgerechnet/Downmix werden.

Der Realiser bringt alles an Hardware-Funktionalität mit, um auch den Ausgleich von vermindertem Hörvermögen wie bei Mimi zu realiseren. Es braucht "nur" eine entsprechende App and Anpassung der FW. Hatte Mr.Smyth auf der letzten High-End darauf angesprochen. Er hat bestätigt hierüber bereits nachzudenken und dies ggf. später mal nachzuliefern (Aktuell wäre mir schon lieb, wenn er nach über einem Jahr überhaupt mal liefert…)



Bzgl. Realitätsanmutung und Hifi über KH; dies kann man natürlich weiter steigern, wenn man sich mit Mikros in den Gehörgängen auf seinen Lieblingsplatz im Konzert befindet und mitschneidet. Eine derartigen Form der individuellen binauralen Aufnahme mit eigenem Köper würde High Fidelity bieten, die jeder aktuellen Aufnahme voraus sein sollte und ist auch nur über KH erreichbar (oder eingeschränkt im Nahfeld). Allerdings ist die praktischen Umsetzung zugegeben recht aufwendig, zumindest wenn man eine gewisse Vielfalt an Aufnahmen schätzt ;-)

Bzgl. der obiger Aussage: "…jeweiligen Frequenzen ebenfalls in alle Himmelsrichtungen verdrehen..", Ja, mittels dieser (digitalen) Technik werden Veränderungen vorgenommen, um anderen Einschränkung zum gewissen Teil auszugleichen (individuelles Hörvermögen oder für LS-Wiedergabe optimierte Aufnahme mit Inkopf-Ortung auf KH).

Alternativ kann man natürlich auch im Raum mit Absorbern oder Röhren oder Silberkabeln "Frequenzen verdrehen". Läuft letzlich auf das gleich hinaus, den Klang auf die eigenen Vorlieben (Realitätsanmutung) oder Vermutete Realität (Hifi) zu optimieren.

Seine Anlage mit Mühe, Zeit und Liebe zu optimieren und mit dem Ergebnis für sich selbst glücklich zu sein, macht doch dieses Hobby toll. Und wenn man dabei auch noch zum Musikhören kommt, ist das kaum noch zu toppen :-). Ist wie beim Essen, was man mit viel Mühe, Zeit and Liebe selbst oder zu zweit gekocht hat, schmeckt es meist besser.

Realiser, Mimi, etc. sind sicherlich nicht perfekt. Meiner Meinung nach aber der Anfang eines Weges High Fidelity (im eigentlichen Sinne) durch Individualisierung/Personalisierung auf eine neue Stufe zu heben. Mehr High Fidelity durch mehr individuelle/personal Daten und mehr Processing Power. Das grundlegende Schaltungsdesign der meisten heutigen High-End Verstärker ist sicherlich ca. 30 Jahre alt und soweit ausentwickelt, das jede Nuance besserer/anderer Klang mit exponentiellen Kosten verbunden ist. Die zuvor genannte digital Technik hat in der gleichen Zeit erhebliche Sprünge gemacht und wie es aussieht ist diese rasante Entwicklung noch nicht zu Ende.
Ich lasse mich von Euch in ca. 30 Jahren gern an diesen Aussagen messen…

Aber keine Sorge der Mann von Welt hat ja neben der neuesten voll digitalen S-Klasse auch immer noch den guten alten SL-Pagode in der Garage zu stehen, für die ganz besonderen Augenblicke in diesem Leben. Genauso wie rot glimmende Röhre und silber glänzende Kabel.

Zu guter Letzt: Personalisierte Signal klingen für fremde Ohren wahrscheinlich mehr oder weniger "schräg" / "falsch". Aber vielleicht wird damit dann auch besser erfassbar/begreifbar, dass jeder von uns etwas anders hört und es keine absoluten/allgemeingültigen Klangaussagen geben kann. Möglicherweise erübrigen sich dann künftig auch einige Diskussionen hier im Forum im Bereich "Befindlichkeiten und Reaktionen".

LG Carsten

P.S. Komma und Rechtschreibfehler copyright by me, bzw. Handy Autokorrektur
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