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  #1  
Alt 13.07.2019, 23:42
sincos sincos ist gerade online
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Registriert seit: 28.04.2014
Beiträge: 1.367
Standard JBL K2 3000M Aktiv



Habe soeben im Kundenauftrag diesen schönen alten JBL Lautsprecher aktiviert und bin dabei auf eine interessante Abstimmvariante gekommen, die ich hier mal kurz erklären möchte.

Hinter dem Mittelhochton-Horn befindet sich eine Leichtmetall-Kalotte mit immerhin 100 mm Durchmesser. Das Horn kann schon ab 500 Hz eingesetzt werden und spielt problemlos (und ab 3 kHz mit beispielloser Linearität) bis 20 kHz. Ein zusätzlicher Hochtöner ist nicht nötig. Trotz des wirklich beeindruckenden Magnetantriebs liegt allerdings der Qtc des Mittelhochton-Horns bei 1,79. Der Grund ist die "knüppelharte" Einspannung der 100mm-Kalotte, was zu einer für diese Membrangröße recht hohen Eigenresonanz von 536 Hz führt. Auch wenn man den Gehäusedeckel hinter der Kalotte abnimmt, sinkt die Resonanzfrequenz nicht unter 500 Hz.

Das Problem ist: Wie bekommt man bei einem Qtc von 1,79 für eine exakt pasenparallele Ankopplung zum Basslautsprecher den Hochtonzweig auf eine akustische Linkwitz-Riley-Hochpassfunktion 4. Ordnung? Die LR4-Funktion besteht bekanntlich aus zwei hintereinander geschalteten Butterworth-Hochpässen 2. Ordnung mit jeweils Q = 0,707. Hat das erste Teilfilter eine etwas höhere Güte, kann man die des zweiten Teilfilters entsprechend verringern und so die LR4-Funktion in Amplitude und Phase recht gut annähern. Bei einer Güte von 1,79 funktioniert das aber nicht mehr, und auch eine Linkwitz-Transformation hilft hier nicht mehr weiter. Um die Güte des Horns unter 1 zu transformieren, müsste die Übernahmefrequenz des 2-Wege-Systems schon auf 1,2 kHz gelegt werden, aber das macht der Basslautsprecher nicht mehr mit.

Dazu gibt es folgende Lösung: Die Übernahmefrequenz habe ich auf die Resonanzfrequenz des Mittelhochton-Horns gesetzt, und vor der akustischen Hochpassfunktion (fo=536Hz / Q=1,79) liegt ein elektronischer Hochpass 2. Ordnung mit fo=536Hz und Q=0,5. Dazu habe ich eine aktive Gyrator-Bandsperre mit einer Mittenfrequenz von ebenfalls 536 Hz und einer Dämpfung von -5dB in den Hochtonzweig gelegt. Wird der Q-Faktor der Bandsperre richtig eingestellt, ergibt sich insgesamt eine fast 100-prozentig exakte LR4-Hochpassfunktion in Amplitude und Phase!

Der Basslautsprecher ist mit einem Tschebyscheff-Hochpass auf ein aktiv gefiltertes Bassreflexsystem 6. Ordnung mit tieferer unterer Grenzfrequenz abgestimmt. Dessen Phasenfrequenzgang wird im Hochtonzweig von einem entsprechend dimensionierten Allpass 2. Ordnung nachgebildet, und ein weiterer Bessel-Allpass 2. Ordnung im Basskanal verschiebt das akustische Zentrum des Basslautsprechers um 23 cm nach hinten, sodasss die Phasenfrequenzgänge beider Zweige im ganzen Übernahmebereich deckungsgleich sind. Zur Linearisierung des Summenfrequenzgangs wurden noch drei weitere Gyrator-Bandsperren eingesetzt.

Das Endergebnis kann sich wirlich hören lassen und ist nicht mehr zu vergleichen mit der ursprünglichen Passivversion.
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  #2  
Alt 14.07.2019, 00:50
Klangfreddy Klangfreddy ist gerade online
 
Registriert seit: 02.05.2019
Beiträge: 103
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Wer bis jetzt immer noch nichst begriffen hat, dem kann man nicht helfen...
Die fachlich und sachliche korrekte Herangehensweise an die gestellte , wirklich nicht leichte Aufgabe, ist einfach nicht zu toppen.

Nennt mir einen Entwickler von diesem Format ...
Oder kann jemand gegen Aktiverung und den Aufwand des alten JBL Lautsprechers etwas sagen?

Klar noch keine Hörprobe genommen ... aber alleine die Betrachtung der verwendeten Chassis in Bezug auf die gwewünschte zu erreichende Phasenparallität ..ist
eine schon sehr herausfordente Aufgabe und diese scheint gelöst was ich stark vermute.



Würde ich mir gerne anhören....


Hätte ich meine alte Mangerbox mit Dynaudiobass noch, würde die in Rechlingshausen zur Untersuchung landen.. natürlich nur wenn sich der Entwickler dessen annehmen würde.


Gruß
Andre´
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  #3  
Alt 14.07.2019, 09:56
Everest Everest ist offline
 
Registriert seit: 22.04.2018
Beiträge: 3
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Zitat:
Zitat von sincos Beitrag anzeigen


Habe soeben im Kundenauftrag diesen schönen alten JBL Lautsprecher aktiviert

Hallo Stefan,


es gibt keine JBL K2 3000M. Ich vermute, es handelt sich um eine K2 S7500: die „abgespeckte" Version der S9500 mit nur einem Bass!


http://www.audioheritage.org/html/profiles/jbl/k2.htm


Everest
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  #4  
Alt 14.07.2019, 13:21
sincos sincos ist gerade online
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Registriert seit: 28.04.2014
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Hatte keine Lust mehr, das Foto um 90° zu drehen. "Project K2 3000M" ist aber wohl zu erkennen und es ist auch egal. Der Klangunterschied aktiv/passiv ist größer als die Unterschiede zwischen den Passivmodellen.
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  #5  
Alt 14.07.2019, 13:52
Dirac_28 Dirac_28 ist offline
 
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Beiträge: 147
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Everest hat Recht, es gibt keine 3000M. K2 3000M ist die Bezeichnung für das Tieftonmodul der S9500. Es ist kein eigenständiger Lautsprecher. Also tatsächlich die S7500, oder etwas zusammengebasteltes aus Teilen der S9500.
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  #6  
Alt 14.07.2019, 15:12
sincos sincos ist gerade online
Gewerblicher Teilnehmer
 
Registriert seit: 28.04.2014
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OK, dann ist (oder war) das wohl eine "S7500" mit einem Bassmodul "3000M".

Oben im Bild die originalen Passivweichen (oder Teile davon) und unten im Bild die Passivweichen, die irgendein "Profi-Entwickler" nachträglich gebaut hat. Überflüssigerweise waren noch zusätzliche Hochtöner angeschlossen:





Ob die nachträglich zusammengebaute Passivversion eine Verbesserung gegenüber der originalen Passivversion war, kann ich nicht sagen, aber die Klangqualität war eher "bescheiden". Nach erfolgter Aktivierung machen die "S7500" jedenfalls richtig Spass.
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  #7  
Alt 14.07.2019, 15:18
Everest Everest ist offline
 
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Ich gehe davon aus, dass es sich bei dem Horn um das Acylhorn der S7500/9500 handelt mit dem Treiber 475Nd. JBL setzt ihn nicht ohne Grund erst ab 650 Hz ein.
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  #8  
Alt 14.07.2019, 16:25
sincos sincos ist gerade online
Gewerblicher Teilnehmer
 
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Ich mache auch nichts ohne Grund. Sowohl der Bass als auch das Mittelhochtonhorn haben mehrere Überhöhungen im Frequenzgang. Der Bass bei 96 Hz und um 340 Hz, das Horn bei seiner Resonanzfrequenz (536 Hz) und noch einmal um 1,6 kHz. Eine angepasste Gyrator-Bandsperre im Hochtonzweig und drei Bandsperren, die auf beide Zweige parallel wirken, linearisieren den Amplitudenfrequenzgang, wobei die Übernahmefrequenz (536 Hz), um die beide Zweige phasenmäßig "verheiratet" sind, auf 630 Hz verschoben wird. Das stimmt recht gut mit der ursprünglichen Passivversion überein, allerdings ist die Phasenparallelität im Übernahmebereich bei der Aktivversion unvergleichlich besser.
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  #9  
Alt 14.07.2019, 16:29
söckle söckle ist offline
 
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Beiträge: 1.224
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Wie wäre das eigentlich wenn ein Kunde des Mehrkanal Verstärkers den Lautsprecher wechseln will? Gibt es da eine Pauschale für die erneute Anpassung? Geht das überhaupt, wird die Anpassung via Mäuseklavier oder durch Austausch von Bauteilen realisiert?
__________________
Gruß
söckle
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  #10  
Alt 14.07.2019, 17:00
sincos sincos ist gerade online
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Das Umprogrammieren der Aktivweiche erfolgt durch Austausch von Metallfilmwiderständen und selektierten Folienkondensatoren, wobei über 160 Steckplätze pro Stereokanal zur Verfügung stehen. Mit Mäuseklavieren wäre das kaum möglich. Hier der Arbeitsplatz für die Bestückung der Aktivweichen:





Die Abstimmung einer Mehrkanal-Endstufe auf einen anderen Lautsprecher ist immer möglich, aber eine Pauschale gibt es dafür nicht. Das wird nach Aufwand berechnet.
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